Werke

Will man Joseph Suders Kompositionsstil, der an die Tradition anknüpft, charakterisieren, so wird man immer wieder die starke melodische Komponente erwähnen, die bewirkt, dass das Publikum Suders Musik stets "schön" findet, auch wenn hochkomplizierte Kompositionstechnik und expressive Harmonik weitere wesentliche Stilmerkmale Suders sind. Er hat das Ziel, die satztechnischen und formalen Strukturen dem Hörer nicht aufzudrängen, sondern ihn durch eingängige melodische und farbige harmonische Gestaltung anzusprechen. Er zeigt also nicht die "Probleme", sondern bietet "Lösungen". Unzertrennlich mit seinem persönlichen Stil verbunden ist das Prinzip der "Thematischen Synthese". Er fand diesen Schlüssel für den formalen und architektonischen Aufbau seiner Werke in der Kammersinfonie von 1924.

Dieses Prinzip geht von der klassischen Sonatensatzform aus (mit den Formteilen Exposition, Durchführung, Reprise), verändert aber die Reprise so, dass sie nicht (wie sonst üblich) die einfache Wiederholung der Exposition ist, sondern die einzelnen, anfangs gegensätzlichen Themen oder Melodien verwandeln sich: sie nähern sich im realen Zusammenklang einander an, der Gegensatz verliert sich. Suder hat diesen Grundgedanken mannigfach variiert und in den meisten Werken angewandt. Sein Ziel war es, das thematische Geschehen der Durchführung in die Reprise hineinwirken zu lassen im Sinne einer Entwicklung und einer Lösung der thematischen Konflikte.

In seinem grundlegenden Aufsatz "Entwicklungsmöglichkeiten des Sonatensatzes" (ca. 1942), abgedruckt in Bd. 15 "Joseph Suder", der Monographienreihe "Komponisten in Bayern", S.53, gab Suder sich erst ziemlich spät Rechenschaft über dieses Prinzip, auf das er ganz intuitiv gekommen war. Da ihm die architektonische Konzeption seiner musikalischen Werke von großer Wichtigkeit war, ließ er seine melodischen Gedanken lange reifen, bevor er sie kompositorisch in Angriff nahm. Dadurch und durch die Tatsache, dass ihn die pädagogische Arbeit als Broterwerb sehr viel Zeit kostete, ist es zu erklären, dass die Zahl seiner Werke ziemlich klein blieb.